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Benchmarking

Benchmarking ist der systematische und kontinuierliche Vergleich der eigenen Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse mit den besten Praktiken (Best Practices) anderer Unternehmen oder Organisationen. Ziel ist es, Leistungslücken (Performance Gaps) zum sogenannten Klassenbesten (Best-in-Class) zu identifizieren und durch die Anpassung bewährter Methoden die eigene Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses Artikels können folgende Lernziele erreicht werden:

  • Das Grundkonzept und die Ziele des Benchmarking erläutern.
  • Die vier Hauptarten des Benchmarking voneinander abgrenzen.
  • Den typischen Ablauf eines Benchmarking-Projekts beschreiben.
  • Die Bedeutung von Kennzahlen und Datenqualität für den Vergleichsprozess einschätzen.
  • Die Einbettung des Verfahrens in den PDCA-Zyklus nachvollziehen.

Kurzüberblick

Benchmarking dient als Instrument der strategischen Analyse und Prozessoptimierung. Es folgt dem Prinzip, von den Besten zu lernen. Dabei geht es nicht um ein bloßes Kopieren, sondern um ein strukturiertes Verstehen und Anpassen erfolgreicher Strategien an den eigenen Kontext. Zentrale Elemente sind Referenzwerte (Benchmarks), die als objektiver Maßstab für die eigene Leistung fungieren.

Kontext und Einordnung

Im Prozessmanagement wird Benchmarking oft in den PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) integriert. Es liefert fundierte Daten für die Planungsphase (Plan) und dient in der Kontrollphase (Check) dem Abgleich erzielter Fortschritte mit internen oder externen Standards. Damit unterstützt es den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP).

Arten des Benchmarking

Je nach Vergleichsobjekt und Partner werden vier grundlegende Formen unterschieden:

  1. Internes Benchmarking: Ein Vergleich innerhalb der eigenen Organisation, beispielsweise zwischen verschiedenen Abteilungen, Teams oder Standorten. Die Daten sind meist leicht verfügbar und direkt vergleichbar.
  2. Wettbewerbsorientiertes Benchmarking: Der direkte Vergleich mit Konkurrenten bestimmt die eigene Marktposition. Die Datenbeschaffung ist oft schwierig und erfolgt meist über Sekundärquellen wie Geschäftsberichte oder Marktstudien.
  3. Funktionales Benchmarking: Hierbei werden ähnliche Prozesse über verschiedene Branchen hinweg verglichen (z. B. Logistikprozesse eines Online-Händlers mit denen eines Ersatzteillieferanten). Dies fördert Innovationen durch branchenübergreifende Erkenntnisse.
  4. Generisches Benchmarking: Der Vergleich bezieht sich auf universelle Geschäftsprozesse bei völlig branchenfremden Unternehmen. Im Fokus stehen allgemeine Best Practices, etwa in der Personalverwaltung oder im Finanzcontrolling.

Vorgehen

Ein strukturierter Benchmarking-Prozess gliedert sich in fünf Kernphasen:

  1. Planung und Vorbereitung: Festlegung des Untersuchungsobjekts (z. B. ein spezifischer Prozess) und Auswahl geeigneter Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPI). Zudem werden die Vergleichspartner identifiziert.

  2. Datensammlung: Erfassung relevanter Informationen. Dabei wird zwischen Primärdaten (Interviews, Besichtigungen) und Sekundärdaten (Statistiken, Fachberichte) unterschieden.

  3. Analyse der Daten: Identifikation der Leistungslücke. Die Abweichung vom Benchmark lässt sich als Differenz darstellen:

    ΔP=PbenchmarkPeigen

    Die Ursachen für diese Differenz werden detailliert untersucht, um Verbesserungspotenziale abzuleiten.

  4. Ableitung von Maßnahmen: Entwicklung von Strategien und Handlungsplänen, um identifizierte Best Practices auf die eigene Organisation zu übertragen.

  5. Umsetzung und Kontrolle: Einführung der Maßnahmen und Überwachung der Ergebnisse. Bei Bedarf beginnt der Prozess erneut, um eine dauerhafte Optimierung zu gewährleisten.

Beispiele

Ein Versandhandelsunternehmen stellt fest, dass die durchschnittliche Durchlaufzeit einer Bestellung 24 Stunden beträgt. Ein Wettbewerber erreicht hierbei einen Wert von 12 Stunden.

  • KPI: Durchlaufzeit in Stunden.
  • Benchmark: 12 Stunden.
  • Performance Gap: 12 Stunden.
  • Analyse: Der Vergleich zeigt, dass der Wettbewerber eine automatisierte Kommissionierung nutzt.
  • Maßnahme: Prüfung einer Teilautomatisierung im eigenen Lager.

Häufige Fehler und Tipps

  • Mangelnde Vergleichbarkeit: Es werden ungleiche Strukturen verglichen (z. B. Start-up vs. Weltkonzern), ohne die Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
  • Fehlende Datenqualität: Unpräzise oder veraltete Daten führen zu Fehlinterpretationen in der Datenanalyse.
  • Fokus auf reines Kopieren: Methoden müssen immer an die spezifischen Gegebenheiten der eigenen Organisation angepasst werden.
  • Tipp: Klare Zielvorgaben und die Einhaltung ethischer Richtlinien sind für den Erfolg entscheidend.

Selbsttest

  1. Worin unterscheiden sich internes und funktionales Benchmarking?
  2. Warum ist die Kenntnis der Kennzahlen eines Konkurrenten allein nicht ausreichend?
  3. In welche Phase des PDCA-Zyklus fällt die Identifikation einer Performance Gap?
  4. Welche Rolle spielen Primärdaten im Vergleichsprozess?
  5. Weshalb wird Benchmarking eher als Lernprozess und nicht als reiner Vergleich verstanden?